Pseudo Kunst
’s Kurzgeschichten, #1: “Elli’s Einführung”
Wir nahmen unsere Jacken von den Bürostühlen und packten alle Sachen zusammen. Über die Türschwelle aus dem Raum. Die Monitore liefen für sich weiter. Das Radio am Fenster dröhnte vor sich hin. Elli zog die Tür hinter uns zu, schloss ab, die Geräusche abschneidend, nur ein unregelmäßiges Brummen drang durch die schwere Tür. "Das wird etwas dauern, drüben im Hauptgebäude", erklärte sie. Ich verstand und verstand doch nicht. Ich hielt kurz inne. Wollte etwas sagen. Wagte es nicht. „Jetzt lernst Du auch was Neues“, sagte sie erfreut. „Ja, nach und nach kommen neue Dinge hinzu“, erwiderte ich freundlich.
Die bunten DIN A2-Plakate in der Hand liefen wir mit schnellem Tritt in Richtung Uni-Hauptgebäude. Smalltalk. Erklärungen. Hier findest Du das. Dort fragst Du nach diesem nach. Ich dachte an die Monitore, das Radio.
Im Gebäude angekommen, verteilten wir die Plakate an hell beleuchtete, sich automatisch drehende Werbesäulen. Eine Säule stand still. Jemand hatte das Stromkabel aus der Steckdose gezogen. Elli schaltete sie wieder ein. Sie ist fast doppelt so alt wie ich, dachte ich, während sie zügig von A nach B flitzt. Zügig, zweckmäßig eifrig, zielstrebig.
Zwei Plakate hängten wir mit doppelseitigen Klebestreifen an Anschlagbretter in einer Vorhalle. Es war eigentlich kein Platz und ich suchte nach nicht mehr aktuellen Ankündigungen, alten Plakaten, die man abreißen könnte. Elli marschierte zügig auf mich zu und riss mit einem scharfen Handhieb die drei nächst beliebigen Plakate auf einer Seite des Anschlagbretts ab. Ich hielt wieder kurz inne. Wollte etwas sagen. Wagte es nicht. Ich schaute Sie nur kurz leicht verstört an. „Du kannst die Plakate immer einfach so abreißen. Das ist kein Problem“, erklärte Elli fast stolz, während sie die Plakate zu einem Knollen zusammenstauchte. Ich dachte an Sodom und Gomorrha. Bibelfilme. Arche Noah. "Jetzt gehen wir in den Keller", erklärte sie im Laufschritt.
Wir liefen zielstrebig weiter. In den Aufzug. Nur mit Schlüssel gen Keller. Sie zeigte mir den stockfinsteren Keller des Gebäudes. Tief unter der Oberfläche. Für Unbefugte unsichtbar. „Hier muss irgendwo ein Schalter sein!“ rief sie mir aus kurzer Distanz zu. Ich fand ihn, sagte erst nichts. Ich betätigte nur den Schalter und wartete bis Elli im Licht stand.



Kommentar hinterlassen