Geistige Ergüsse
Firmenchef versagt - Kein Problem! Eine Frage des Systems?
Frage: Leben wir in einem "Sozialismus für Reiche", der sich nur Kapitalismus nennt?
Diskussion
Annahme 1: Chef einer großen Firma "ABC", die ein Konsumgut produziert, trifft jahrelang unternehmerisch falsche Entscheidungen im Bereich der Produktentwicklung, der Investitionen, der Unternehmensstrategie, u.ä., kurz gesagt: ein schlechter Chef. Aber: Er verdient sehr gut. 5 Millionen Euro pro Jahr. Damit hatte er persönlich bereits nach wenigen Monaten in dem Job finanziell ausgesorgt. Jeder Euro, der danach noch kommt, ist ein süßes Geschenk, das den eigenen Luxus-Konsum stetig erhöht.
Annahme 2: Die Firma machte trotz dieser schlechten Unternehmensführung Jahr für Jahr Gewinn, bedingt durch ein gutes Marketing, gute weltwirtschaftliche Bedingungen und viele Stammkunden.
Aktuelle Situation: Nun wechseln die weltwirtschaftlichen Bedingungen, Stammkunden brechen weg, das Marketing kann nicht mehr über die schlechten Produkte genügend hinwegtäuschen. Die verbleibende Zahl der Kunden wählen nun Produkte anderer Firmen, die günstiger und qualitativ besser sind, die andere gute Firmen bieten.
Außerdem beginnen die Kunden sich rational zu verhalten und kaufen nicht mehr - geblendet von guter Werbung und günstigen Krediten - so oft und so viel wie früher. Insgesamt sinkt das Konsumniveau in diesem bestimmten Produktbereich, aber schlechte Firmen mit schlechten Produkten wie "ABC" machen katastrophale Verluste im Gegensatz zu guten Firmen mit guten Produkten, die verkraftbare Verluste machen.
Systemproblem:
Firma "ABC" steht vor dem Bankrott. 100.000 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Die Firma wendet sich an den Staat um Hilfe.
Staat hat ein Interesse an Fortbestehen der Firma wegen den vielen Arbeitsplätzen. Staat fürchtet um zig-tausende neue Arbeitslose im Falle eines Zusammenbruchs der Firma.
Eigentlich ist der Chef von "ABC" und seine schlechte Unternehmensführung schuld an der Situation des Unternehmens. Der Chef gibt aber vor, es seien die weltwirtschaftlichen Bedingungen, usw. Der Staat springt ein und schießt Steuergelder zu, um die Firma zu retten.
Das Problem ist: Welche unternehmerische Verantwortung haben Chefs von solchen Firmen, wenn in der Krise der Staat einspringt? Welches Eigeninteresse hat der Chef überhaupt am wirtschaftlichen Erfolgt der Firma außer der Boni, die er kriegt? Selbst wenn er nun entlassen wird, wird er für sein unternehmerisches Versagen weder zur Rechenschaft gezogen, noch muss er sich finanziell beteiligen.
Fazit:
Durch die Bereitschaft des Staates in Krisensituationen einzuspringen und des Fehlens eines Mechanismus, der die Firmenchefs bei schlechter Unternehmensführung finanziell negativ beteiligt, haben die Firmenchefs dieser großen Unternehmen einen gewaltigen Spielraum. Sie können Unternehmensentscheidungen nach privaten Partikularinteressen ausrichten, ohne zu großen Wert auf den langfristigen Unternehmenserfolg zu legen. Das bedeutet nicht, dass sie nicht am kurz- und mittelfristigen Erfolg des Unternehmens interessiert seien. Hier locken schließlich großzügige Boni, die sie gewinnen wollen. Aber aus einer rein rationalistischen Perspektive haben in einem solchen Wirtschaftssystem Chefs von großen Firmen kein starkes Eigeninteresse am langfristigen Unternehmenserfolg. Es herrscht nämlich gar kein echter Kapitalismus, sondern ein "Sozialismus für Reiche", die unabhängig von der Qualität ihrer Arbeit immer gut situiert sind, selbst wenn sie ihren Job verlieren und selbst wenn ihre Firma vollkommen zusammenbricht und 100.000 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren würden. Persönlich juckt das die Chefs nicht - weder finanziell noch rechtlich ist ihr völliges unternehmerisches Scheitern als Firmenchef ein Verlust. Meines Erachtens ist das ein großes Systemproblem, das Wirtschaftswachstum, Innovationen und einen Zuwachs an Arbeitsplätzen mittel- und langfristig hemmt.
Diskussion
Annahme 1: Chef einer großen Firma "ABC", die ein Konsumgut produziert, trifft jahrelang unternehmerisch falsche Entscheidungen im Bereich der Produktentwicklung, der Investitionen, der Unternehmensstrategie, u.ä., kurz gesagt: ein schlechter Chef. Aber: Er verdient sehr gut. 5 Millionen Euro pro Jahr. Damit hatte er persönlich bereits nach wenigen Monaten in dem Job finanziell ausgesorgt. Jeder Euro, der danach noch kommt, ist ein süßes Geschenk, das den eigenen Luxus-Konsum stetig erhöht.
Annahme 2: Die Firma machte trotz dieser schlechten Unternehmensführung Jahr für Jahr Gewinn, bedingt durch ein gutes Marketing, gute weltwirtschaftliche Bedingungen und viele Stammkunden.
Aktuelle Situation: Nun wechseln die weltwirtschaftlichen Bedingungen, Stammkunden brechen weg, das Marketing kann nicht mehr über die schlechten Produkte genügend hinwegtäuschen. Die verbleibende Zahl der Kunden wählen nun Produkte anderer Firmen, die günstiger und qualitativ besser sind, die andere gute Firmen bieten.
Außerdem beginnen die Kunden sich rational zu verhalten und kaufen nicht mehr - geblendet von guter Werbung und günstigen Krediten - so oft und so viel wie früher. Insgesamt sinkt das Konsumniveau in diesem bestimmten Produktbereich, aber schlechte Firmen mit schlechten Produkten wie "ABC" machen katastrophale Verluste im Gegensatz zu guten Firmen mit guten Produkten, die verkraftbare Verluste machen.
Systemproblem:
Firma "ABC" steht vor dem Bankrott. 100.000 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Die Firma wendet sich an den Staat um Hilfe.
Staat hat ein Interesse an Fortbestehen der Firma wegen den vielen Arbeitsplätzen. Staat fürchtet um zig-tausende neue Arbeitslose im Falle eines Zusammenbruchs der Firma.
Eigentlich ist der Chef von "ABC" und seine schlechte Unternehmensführung schuld an der Situation des Unternehmens. Der Chef gibt aber vor, es seien die weltwirtschaftlichen Bedingungen, usw. Der Staat springt ein und schießt Steuergelder zu, um die Firma zu retten.
Das Problem ist: Welche unternehmerische Verantwortung haben Chefs von solchen Firmen, wenn in der Krise der Staat einspringt? Welches Eigeninteresse hat der Chef überhaupt am wirtschaftlichen Erfolgt der Firma außer der Boni, die er kriegt? Selbst wenn er nun entlassen wird, wird er für sein unternehmerisches Versagen weder zur Rechenschaft gezogen, noch muss er sich finanziell beteiligen.
Fazit:
Durch die Bereitschaft des Staates in Krisensituationen einzuspringen und des Fehlens eines Mechanismus, der die Firmenchefs bei schlechter Unternehmensführung finanziell negativ beteiligt, haben die Firmenchefs dieser großen Unternehmen einen gewaltigen Spielraum. Sie können Unternehmensentscheidungen nach privaten Partikularinteressen ausrichten, ohne zu großen Wert auf den langfristigen Unternehmenserfolg zu legen. Das bedeutet nicht, dass sie nicht am kurz- und mittelfristigen Erfolg des Unternehmens interessiert seien. Hier locken schließlich großzügige Boni, die sie gewinnen wollen. Aber aus einer rein rationalistischen Perspektive haben in einem solchen Wirtschaftssystem Chefs von großen Firmen kein starkes Eigeninteresse am langfristigen Unternehmenserfolg. Es herrscht nämlich gar kein echter Kapitalismus, sondern ein "Sozialismus für Reiche", die unabhängig von der Qualität ihrer Arbeit immer gut situiert sind, selbst wenn sie ihren Job verlieren und selbst wenn ihre Firma vollkommen zusammenbricht und 100.000 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren würden. Persönlich juckt das die Chefs nicht - weder finanziell noch rechtlich ist ihr völliges unternehmerisches Scheitern als Firmenchef ein Verlust. Meines Erachtens ist das ein großes Systemproblem, das Wirtschaftswachstum, Innovationen und einen Zuwachs an Arbeitsplätzen mittel- und langfristig hemmt.



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