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Kaugummi-Entfernung.jpg

In Aachen und Umgebung würde man "Watt et für Leute jibbt!" oder so ähnlich ausrufen, wenn man Menschen begegnet, die dumme Sachen machen. Oder man schüttelt einfach nur mit dem Kopf, runzelt die Stirn oder fragt sich einfach nur "Warum?"

Worum geht's? Eigentlich um die simpelsten Dinge, die das Zusammenleben in einer Gesellschaft erleichtern bzw. das Funktionieren dieser Gesellschaft erst ermöglichen oder eben nicht. Ist alles nicht neu, aber heute ist mir einfach nur nach RANT!

1. Kaugummi auf die Straße spucken:
Welche hirnlosen Geister machen sowas? Hat von diesen Menschen noch nie jemand einen Kaugummi am Schuh kleben gehabt? Können die ihren gottverdammten Kaugummi nicht in einem Mülleimer entsorgen oder wenigstens in ein Stückchen Papier, Taschentuch oder einen alten Einkaufszettel knüllen bevor sie diesen von sich werfen?

"Kaugummi auf die Straße spucken" machen aber nicht nur die berüchtigten pubertierenden Kinder, sondern auch "Erwachsene" (oder zumindest so bezeichnete Wesen). Die Ursachen für dieses Verhalten sind nicht zwangsläufig schlechte Erziehung. Natürlich sind gute Eltern, Lehrer und Erzieher entscheidend. Aber oft ist es entweder Dummheit oder Böswilligkeit auf Seiten des Kaugummi kauenden Menschen.
Wer seine Birne einschaltet, muss doch darauf kommen, dass alte Kaugummis auf dem Bürgersteig oder in der Fußgängerzone nicht nur scheiße aussehen, sondern enorm viel Geld kosten bei der Entfernung, was Steuergelder sind, die man letztlich selbst zahlt.
Böswilliges "Kaugummi auf die Straße spucken" passiert wohl dann, wenn ein allgemeiner Frust-Spiegel bereits aufgebaut ist oder man selbst schon mal in einen Kaugummi getreten ist und nach dem UGAH-UGAH-Prinzip der Steinzeit oder des Alten Testaments (Zahn um Zahn, Aug' um Aug') handelt - wie irgendjemand mir so ich ihm zurück. Bescheuert, aber psychologisch erklärbar.

2. Müll nicht richtig trennen:
Ja, ich weiß. Es gibt hin und wieder ein paar Berichte darüber, dass die Mülltrennung in Deutschland nicht wirklich sinnvoll ist, weil die Abfallwirtschaft ohnehin alles verbrennt oder zusammen auf einen Haufen kippt. Wo und in welchem Ausmaß das wirklich der Fall ist, sei mal dahingestellt.

Dennoch ist es schwer nachvollziehbar, warum einer unserer lustigen Nachbarn konsequent seit Monaten seinen "Gelben Sack" mit alten Taschentüchern, Putzlappen, Bananenschalen und sonstigen Dingen, die nicht dort rein gehören, befüllt UND diesen Sack dann je nach gusto auf die Straße vor das Wohngebäude stellt, egal ob diese Gelben Säcke demnächst abgeholt werden oder nicht. Im Sommer war es so, dass einer dieser Säcke tatsächlich 13 Tage vor dem Haus lag und dementsprechend stank und jedermann, der das Gebäude verlassen oder betreten wollte, an diesem stinkenden Sack vorbei musste, AUCH diese Leuchte von Nachbar, die dafür verantwortlich war und immernoch ist.

Es ist doch nicht so schwer, sich zu merken, wann die Gelben Säcke abgeholt werden und in welchen Abständen. Viel intelligenter wäre es natürlich sich den kostenlosen Kalender der örtlichen Abfallwirtschaft zu bestellen, aber so viel traut man den Leuten heutzutage ohnehin nicht mehr zu.

Warum macht der das also? Dummheit? Er läuft doch auch an diesem stinkenden Teil vorbei. Und in der gesamten Straße, wo wir wohnen, ist nicht eine einzige auch nur annähernd so hochintelligente Persönlichkeit, denn weit und breit steht niemals ein Gelber Sack zur falschen Zeit am falschen Ort, NUR vor unserem gottverdammten vierstöckigen Haus.

Fazit:

Man muss ja nicht gleich Immanuel Kant lesen, um zu begreifen, dass eine Gesellschaft nur dann stressfrei funktioniert, wenn sich alle an gewisse Regeln halten, die wirklich nicht so kompliziert sind und auch keine großen Nachteile mit sich bringen. (Im Übrigen ist Kant in dem hier erwähnten Zusammenhang eine Lektüre sehr viel wert.)

Aber es ist doch auch ohne Kant gelesen zu haben logisch, dass man sich als Teil einer Gesellschaft, vor allem einer städtischen Gesellschaft, immer fragen sollte: "Was wäre eigentlich, wenn sich alle so verhalten würden, wie ich?" Also im oberen Fall: "Was wäre eigentlich, wenn ALLE 80 Millionen Deutsche Kaugummi kauen und ihn auf die Straße spucken würden?" Oder: "Was wäre, wenn ALLE 80 Millionen Deutsche ihren Gelben Sack nicht nur falsch befüllen, sondern auch noch zu JEDER ZEIT auf die Straße stellen würden?"

"Und warum sollten sie das nicht tun?" "Was trage ich in die Gesellschaft an Emotionen hinein, wenn ich dieses und jenes tue?" "Was für ein Recht habe ich eigentlich, mich so asozial zu verhalten und nicht nur Ärger in die Welt zu tragen?"

Ja, ja. Ich weiß. Ich bin ein gekränkter Utopist, der glaubt, er könne an der Asozialität des Menschen etwas durch Blog-Einträge verändern. Nein, das glaube ich nicht. Ich glaube nur, dass ich ein bisschen RANT auch verteilen darf. Und wenn es nichts wirklich bringt, hat es eventuell für den einen oder anderen Schmunzler beim Leser gesorgt.

Bildquelle Titelbild: Pixel Addict (Flickr Creative Commons)

Minitrue's slogans:

War is peace

Freedom is slavery

Ignorance is strength

(George Orwell, "1984")


1.) Die Frage des Jahres stellten The Killers in ihrem Song Human:
Are we human?
Or are we dancer?
Links: übersetzter Liedtext + Erläuterungen zum kontextuellen Bedeutungshintergrund + ausführliche Erklärung zum Wort "dancer"

Das riecht nach Gedankenverbrechen und Quaksprech...! Bitte mehr davon in 2009, damit sich endlich mal was rührt auf Planet Sol 3 !




2.) Unwort des Jahres:
Klima-Kanzlerin
Wer auch immer Angie Merkel so getauft hat...in die Ecke stellen und eine Runde schämen! Nichts ist absurder als Miss Stromkonzern und Autoindustrie als Klima-Kanzlerin zu bezeichnen.

Christian Schwägerl hat mit seinem Kommentar zur Kapitulation der so genannten Klima-Kanzlerin völlig Recht. Politiker, die tolle Reden über Klimaschutz halten, sich mit Eisbären in der Arktis ablichten lassen und dann in der Tagespolitik genau das Gegenteil tun, gehören tagtäglich an den Pranger gestellt. (lesenswert!)


Und Priol bringt es ähnlich prägnant auf den Punkt:
Frage: Leben wir in einem "Sozialismus für Reiche", der sich nur Kapitalismus nennt?

Diskussion

Annahme 1: Chef einer großen Firma "ABC", die ein Konsumgut produziert, trifft jahrelang unternehmerisch falsche Entscheidungen im Bereich der Produktentwicklung, der Investitionen, der Unternehmensstrategie, u.ä., kurz gesagt: ein schlechter Chef. Aber: Er verdient sehr gut. 5 Millionen Euro pro Jahr. Damit hatte er persönlich bereits nach wenigen Monaten in dem Job finanziell ausgesorgt. Jeder Euro, der danach noch kommt, ist ein süßes Geschenk, das den eigenen Luxus-Konsum stetig erhöht.

Annahme 2: Die Firma machte trotz dieser schlechten Unternehmensführung Jahr für Jahr Gewinn, bedingt durch ein gutes Marketing, gute weltwirtschaftliche Bedingungen und viele Stammkunden.

Aktuelle Situation: Nun wechseln die weltwirtschaftlichen Bedingungen, Stammkunden brechen weg, das Marketing kann nicht mehr über die schlechten Produkte genügend hinwegtäuschen. Die verbleibende Zahl der Kunden wählen nun Produkte anderer Firmen, die günstiger und qualitativ besser sind, die andere gute Firmen bieten.
Außerdem beginnen die Kunden sich rational zu verhalten und kaufen nicht mehr - geblendet von guter Werbung und günstigen Krediten - so oft und so viel wie früher. Insgesamt sinkt das Konsumniveau in diesem bestimmten Produktbereich, aber schlechte Firmen mit schlechten Produkten wie "ABC" machen katastrophale Verluste im Gegensatz zu guten Firmen mit guten Produkten, die verkraftbare Verluste machen.

Systemproblem:
Firma "ABC" steht vor dem Bankrott. 100.000 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Die Firma wendet sich an den Staat um Hilfe.
Staat hat ein Interesse an Fortbestehen der Firma wegen den vielen Arbeitsplätzen. Staat fürchtet um zig-tausende neue Arbeitslose im Falle eines Zusammenbruchs der Firma.
Eigentlich ist der Chef von "ABC" und seine schlechte Unternehmensführung schuld an der Situation des Unternehmens. Der Chef gibt aber vor, es seien die weltwirtschaftlichen Bedingungen, usw. Der Staat springt ein und schießt Steuergelder zu, um die Firma zu retten.
Das Problem ist: Welche unternehmerische Verantwortung haben Chefs von solchen Firmen, wenn in der Krise der Staat einspringt? Welches Eigeninteresse hat der Chef überhaupt am wirtschaftlichen Erfolgt der Firma außer der Boni, die er kriegt? Selbst wenn er nun entlassen wird, wird er für sein unternehmerisches Versagen weder zur Rechenschaft gezogen, noch muss er sich finanziell beteiligen.

Fazit:
Durch die Bereitschaft des Staates in Krisensituationen einzuspringen und des Fehlens eines Mechanismus, der die Firmenchefs bei schlechter Unternehmensführung finanziell negativ beteiligt, haben die Firmenchefs dieser großen Unternehmen einen gewaltigen Spielraum. Sie können Unternehmensentscheidungen nach privaten Partikularinteressen ausrichten, ohne zu großen Wert auf den langfristigen Unternehmenserfolg zu legen. Das bedeutet nicht, dass sie nicht am kurz- und mittelfristigen Erfolg des Unternehmens interessiert seien. Hier locken schließlich großzügige Boni, die sie gewinnen wollen. Aber aus einer rein rationalistischen Perspektive haben in einem solchen Wirtschaftssystem Chefs von großen Firmen kein starkes Eigeninteresse am langfristigen Unternehmenserfolg. Es herrscht nämlich gar kein echter Kapitalismus, sondern ein "Sozialismus für Reiche", die unabhängig von der Qualität ihrer Arbeit immer gut situiert sind, selbst wenn sie ihren Job verlieren und selbst wenn ihre Firma vollkommen zusammenbricht und 100.000 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren würden. Persönlich juckt das die Chefs nicht - weder finanziell noch rechtlich ist ihr völliges unternehmerisches Scheitern als Firmenchef ein Verlust. Meines Erachtens ist das ein großes Systemproblem, das Wirtschaftswachstum, Innovationen und einen Zuwachs an Arbeitsplätzen mittel- und langfristig hemmt.



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Bild: judebuffum (designforobama.org)

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