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Entsetzt vernehme ich das tagelange Entsetzen in diversen HSV- und Comunioforen über den Boulahrouz-Transfer auf die Insel.
Rblanco aus Innsbruck fiel am 18. August kurz nach der Tagesschau die Kinnlade herunter als er schrieb „ich glaub ich spinn". Inigo aus Friedrichsfehn zeigte sich ebenfalls entsetzt („Ach du Scheiße! [...] Das stimmt ja wirklich!") und schlussfolgerte zugleich „...der HSV bricht in sich zusammen". Ähnlich reagierte auch der waschechte Hamburger Searni: „HSV schaufelt weiter und weiter das eigene Grab". Schockiert war auch askdhb: „ey man ich kanns nicht glauben ;( ;( " und vor allem HSV-4ever: „WIESOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO?????????????? ich kann es einfahc nicht fasen , ES IST UZUM HEULEN!!!!!!!!!"
Viele reagierten bestimmt ebenso wie Olischa3 aus Erlangen auch erst einmal an das Wohl des eigenen Teams denkend: „Leck mich am Arsch. Jetzt wo er nichts mehr wert ist. So ein Mist." Nicht unerwähnt bleiben, sollten hier die vielen heruntergefallenen Kaffeetassen, Milchgläser und Teekannen. Somit verursachte der millionenschwere Boulahrouz-Transfer den vielen Forenbeiträgen zufolge nachwirkend wahrscheinlich einen Sachschaden in deutschen Haushalten, der in die Tausende geht.
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„Geld regiert die Welt" ist eine beliebte und oft gehörte Redewendung. „Geld regiert den Fußball" sollte auf schnellstem Wege ebenso in die Köpfe der Fußballfans Eingang finden. Denn der berüchtigte Raubtierkapitalismus ist auf dem Weg zur begehrtesten Sportart der Welt: zum Fußball. Fußballclubs auf dem gesamten Globus stehen am Anfang eines Prozesses, der gerade erst in Fahrt kommt. Ein Prozess, der in der Wirtschaft bereits Gang und Gäbe ist und sich nun im Milliardengeschäft Fußball auszubreiten versucht.
Wer hätte heute vor 5 Jahren gedacht, dass im Jahr 2006 ein Verein 100-Millionen-D-Mark als Ablöse für einen einzigen Spieler bezahlt und es nur eine Fußnote in der Berichterstattung der Medien bleibt? Keine verwunderten Sportjournalisten, keine entsetzten Vereinspräsidenten,.......nur schockierte Fans.....
Die Reaktionen zum Boulahrouz-Transfer zeigen, dass Fußballdeutschland geistig noch nicht angekommen ist im 21. Jahrhundert des Fußballs. Es ist das Bewusstsein „Geld regiert wirklich den Fußball", das fehlt. Fußballspieler werden zu Aktien, auch wenn das 90% der Fußballfans nicht hören und glauben wollen. Wie auch? Die Illusion von Treue, Ehre, Herz und Teamgeist wird tagtäglich von den Vereinen, Spielern und Medien unisono propagiert. Öffentliche Kommentare von VFL-Neuzugang Santana wie „Wolfsburg ist eine sehr schöne Stadt" hört der VFL-Fan mit Freudentränen gerne. Das Fußballherz schlägt hoch. Der Spieler identifiziert sich gleich mit Stadt, Land und Leuten. Herrlich! Eigentlich müsste Jonathan Santana sagen „VW ist ein toller Sponsor! Das 500.000 Euro Handgeld und die Verdopplung meines bisherigen Gehalts in Argentinien ist to...... ähm, Wolfsburg ist eine sehr schöne Stadt!"
Wer seine Kaffeetasse am Wochenende also nur noch mit einem Kehrblech zusammenschaufeln konnte, ist selber schuld. Für ein 7-stelliges Handgeld und eine satte Erhöhung des Gehalts führte Khalid Boulahrouz ein bühnenreifes Drama auf, als er sich angeblich beim Aufwärmen schwer verletzte. Es ist ihm auch nichts vorzuwerfen. Daniel van Buyten fühlte sich doch ebenso pudelwohl in Hamburg, „spielte für die Mannschaft", „tat so viel für den Verein" und wechselte ohne mit den Augen zu zwinkern für ein stattliches Handgeld und eine Erhöhung des Gehalts nach München. Wenn der Kapitän für eine Ladung Gold das gemeinsame Schiff verlässt, wird der erste Maat nicht lange zögern, wenn ihm das gleiche Angebot zukommt.
Idealismus ist tot. Khalid ist es freilich auch egal, dass er in London wahrscheinlich öfter auf der Bank sitzen wird, als dass er spielt. Ihm ist es auch egal, dass er mit seinem Bühnenstück seinen Mannschaftskollegen förmlich ins Gesicht schlug. Dieser Schock kurz vor dem Anpfiff war es, der zu einer grauenhaften Chancenverwertung beim 0:0 vor eigenem Publikum geführt hat. Die Petro-Dollars bezwangen die Ehrlichkeit, das Herz für Verein, Fans und Mannschaft. Ruhm und reichlich Prämien warten abgeholt zu werden beim FC Chelsea. Der HSV? Das war gestern. Doch Boulahrouz ist kein gemeiner Hund. Er ist das Opfer. Ein Opfer von vielen im Fußballgeschäft des 21. Jahrhunderts. Was zählt noch Familie, was zählen Freunde, Fans, das eigene Haus, wenn es um Geld geht. Selig, wer sich dieser offenen Korruption entgegenstellt, wer Herz genug hat, ehrlich zu sagen „Ich könnte nach London gehen und noch mehr Geld verdienen als ich jetzt schon habe, aber ich tue es nicht, weil ich in dieser Mannschaft hier viele Freunde habe, meine Frau und meine Kinder in Hamburg bleiben möchten und ich diese einzigartigen Fans des HSV liebe." Solche Spieler sind die wahren Fußballgötter dieser Welt...
Doch seit geraumer Zeit sollte uns allen klar sein, dass die übergroße Mehrheit aller Neuzugänge wegen Ruhm und Geld zu einem bestimmten Verein wechseln und ihn wieder kaltschnäuzig verlassen, wenn irgendwo in der Welt noch mehr Ruhm und Geld winken.
Um viele, viele Kaffeetassen zu verschonen, bereite ich diejenigen, die es noch nicht wissen darauf vor: Auch Diego, van der Vaart und Kompany werden nächstes oder übernächstes Jahr nur noch Namen auf einer langen Ehemaligenliste der Bundesliga sein, auch wenn sie unisono mit strahlendem Lächeln in die Kameras sprechen: „Deutschland ist ein tolles Land. Und ja, ich lerne bereits fleißig deutsch! Und ja, ich will mit diesem Verein alles erreichen!"
Dieser Artikel ist erschienen am 24.08.2006 in der Kolumnio #15 (http://www.comunio.de/external/phpBB2/viewtopic.php?t=182652)
Die Sportdirektoren und Manager der Bundesligavereine sind in der Vorbereitung auf die Saison 06/07 so intensiv auf Einkaufstour wie selten zuvor. Präferierte Ware: Spielwitz.
Die Nachfrage nach sogenannten "10ern", die freche Ideen in Form von Zauberpässen, Finten und Übersteigern auf deutschen Rasen bringen sollen, scheint besonders in diesem WM-Jahr 2006 gestiegen zu sein. Ob Klaus Allofs oder Peter Pander, so viele Bundesligamanager hatten in diesem Jahr das Privileg Sonderurlaub zu genießen auf ihren Geschäftsreisen oder besser: "Shopping-Ausflügen" in den Süden.
Wie ein riesiger Supermarkt erscheint da das Heimatland der berühmtesten "10" des Fußballs: Diego Maradona´s Argentina. Die argentinischen Top-Clubs Boca Juniors und River Plate aus der Hauptstadt des Landes Buenos Aires wirken wie ein Talentmagnet. Nahezu alle aktuellen argentinischen Top-Stars wie Riquelme, Saviola, Crespo, Ayala, etc. sind zunächst von den Bocas oder River Plate entdeckt worden bevor sie schließlich mit hohen Millionenablösesummen nach Europa gelotst wurden.
Lateinamerikanischer Fußball begeistert. Die Schmelze aus scheinbar grenzenloser Kreativität und hart erarbeiteter Athletik ist auf dem Fußballrasen nicht nur ansehnlich, sondern auch effektiv. Riquelme, Ronaldinho & Co. begeistern nicht nur die Zuschauer und Fans, sondern vor allem Trainer und Manager europäischer Topclubs.
In diesem WM-Jahr holt sich die Bundesliga besonders viel Lateinamerika in die Vereine; insbesondere für die Spielmacherrolle, die klassische "10" also.
Bei den Bayern wurde zum Winter der Spielmacher Julio dos Santos aus Paraguay geholt. Klaus Allofs griff kurz vor der WM in die Geldbörse und holte den Brasilianer Diego Ribas da Cunha vom portugiesischen Topclub FC Porto. Der Werksclub aus Wolfsburg holte den Argentinier Jonathan Santana direkt von der Talentschmiede River Plate Buenos Aires und Borussia Mönchengladbach steht kurz vor der Verpflichtung von Federico Insúa von den bereits erwähnten Boca Juniors.
Alle vier bringen das Zeug für die so bedeutende Spielmacherposition im zentralen offensiven Mittelfeld. Die Chancen stehen gut, dass in der kommenden Saison 06/07 diese vier Spielmacher für attraktiven Offensivfußball sorgen werden. Aber: Bei dem Einen mehr als bei dem Anderen. Im Folgenden eine kurze Vorstellung der klang- und hoffnungsvollen Namen Dos Santos, Diego, Santana und Insúa.
Julio Daniel dos Santos Rodriguez (23J., 1,87m, Rechtsfuß) kam in der Winterpause der Saison 05/06 zum FC Bayern München. Felix Magath baute ihn in der Rückrunde langsam auf. Ein "Rohdiamant" hieß es. Bei den Amateuren in der Regionalliga Süd schoss er sein erstes Tor auf deutschem Boden.
Dos Santos ist seit April 2004 Nationalspieler in Paraguay. Sein Auftritt bei der WM in Deutschland bescherte ihm im letzten Gruppenspielspiel gegen Trinidad and Tobago den Titel "Man of the Match". Bei insgesamt zwei Einsätzen gelang ihm eine Torvorlage im Turnier.
Laut Transfermarkt.de liegt sein Marktwert bei 2 Millionen Euro. Dieser Wert ist natürlich wenig aussagekräftig. "Er kann kicken!", sagen Uli Hoeneß und Felix Magath unisono. Aber offenbar ist die Umstellung auf die Bundesliga für den international noch unerfahrenen Dos Santos noch im Prozess. Wenn er sein großes Talent auf europäischem Boden umsetzen lernt, kann er zu der Überraschung der kommenden Saison werden.
Diego Ribas da Cunha (21J., 1,74m, Rechtsfuß) unterschrieb kurz vor der WM einen Vier-Jahres-Vertrag beim SV Werder Bremen. 6 Millionen Euro Ablöse flossen somit zum FC Porto, dessen Manager das geniale brasilianische Temperament zur Saison 04/05 vom brasilianischen FC Santos geholt hatte. Trotz seines jungen Alters hat er jede Menge Erfahrung. Mit 17 führte er den FC Santos zur Meisterschaft, beim FC Porto hat er bereits in zwei Spielzeiten an der Champions League teilgenommen, dabei 1 Tor geschossen.
Für die brasilianische Nationalmannschaft hat er bereits 14 Spiele absolviert, dabei 5 Mal getroffen. Für die WM 2006 wurde er mangels Spielpraxis bei seinem Ex-Club FC Porto aber nicht nominiert.
Diego muss in der nächsten Saison die Lücke schließen, die Johan Micoud nach seinem Wechsel zu Girondins Bordeaux hinterlässt. Obwohl er in Interviews behauptet, dass er keinen Druck verspürt, ist es offensichtlich, dass seine verantwortungsvolle Rolle bei magerer Konkurrenz auf seiner Position bei Werder erst einmal bewältigt werden muss. Nun liegt es an Trainer Schaaf, dass sie das junge Supertalent nicht gleich verheizen.
Sein Marktwert liegt laut Transfermarkt.de bei 8 Millionen Euro.
Um Diego ist ein großer Hype ausgebrochen. Dazu beigetragen haben vor allem Videos von seinen genialen Momenten, die z.B. bei youtube.com zu bewundern sind. Ihm werden Probleme mit seiner Disziplin nachgesagt. Falls er diese ablegen kann und er sich - wie alle anderen Lateinamerikaner eben auch - in den deutschen Fußball schnell einlebt, kann er sogar zu mehr als nur einem Ersatz für Micoud werden. Die Genialität eines Maradona hat er schon hier und da durchblicken lassen.
Jonathan Santana (24J., 1,81m, Rechtsfuß) kommt diesen Sommer zum VFL Wolfsburg. "Ein Spieler vom Typ Borowski" hieß es bisher aus Wolfsburger Kreisen. Bei River Plate erzielte der Offensive Mittelfeldmann in der vergangenen Spielzeit in insgesamt 24 Einsätzen vier Tore. Der Argentinier kostete 3,6 Millionen Euro Ablöse. Wie bei Dos Santos der FC Bayern ist bei Santana der VFL seine erste europäische Station. Anders als bei Dos Santos und Diego ist Santana (noch) nicht Nationalspieler seines Landes.
Insgesamt ist er ein unbeschriebenes Blatt. Trotz seines relativ hohen Marktwerts von 4,5 Millionen Euro (Transfermarkt.de) wäre ein direkter Durchbruch in der kommenden Bundesligaspielzeit eine faustdicke Überraschung.
Nachtrag (12.07.06): Wie erste Testspiele und Trainingseinheiten in Wolfsburg zeigen, spielt Santana weniger wie eine klassische "Nr. 10", sondern eher wie ein Michael Ballack, der viel defensive Arbeit leisten kann und weniger in die Dribblings geht. Sollten sich weitere Erkenntnisse in den nächsten Wochen ableiten lassen, wird hier weiter aktualisiert.
Federico Insúa (26J., 1,79m, beidfüßig) wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten Tagen in Mönchengladbach vorgestellt. Der Argentinier kostet ca. 4,7 Millionen Euro und kommt von den Boca Juniors. Er hat in Argentinien schon einen kleinen Kultstatus. Bei youtube.com gibt es ebenso wie zu Diego reichlich Videomaterial zu bewundern. Sein Spitzname: "El Pocho". "Pocho" ist eine lateinamerikanische Krötenart.
Gladbach ist seine zweite europäische Station. Zuvor wurde er vom FC Malaga (Spanien) für die Saison 03/04 ausgeliehen.
Beeindruckend ist vor allem seine Torgefährlichkeit aus der Distanz. In 37 Einsätzen in der Saison 05/06 schoss er 11 Tore. Außerdem hat Insúa bereits 4 Mal für die argentinische Nationalmannschaft gespielt. Sein Marktwert liegt bei 4,5 Millionen Euro (Transfermarkt.de), ist also identisch mit dem von Jonathan Santana. Vor dem Wechsel nach Gladbach wurde er mit Hamburg, Lens und Schalke in Verbindung gebracht.
Nach seinem europäischen Ausflug beim FC Malaga ist er bei den Bocas nach seiner Rückkehr weiter gereift. Dort nahm er eine zentrale Rolle im Team ein und machte sich einen Namen im argentinischen Fußball. Das riesige argentinische Presseecho auf den Transfer nach Deutschland zeigt das sehr deutlich.
Ausblick: Seine Integration wird sich schwieriger gestalten als bei den anderen dreien, denn bei Gladbach ist er der einzige Argentinier. Wenn Jupp Heynckes und das Team ihm dabei ausreichend helfen können, wird Insúa nach einer Eingewöhnungsphase mit seinem Talent und Potenzial garantiert aufhorchen lassen. Dann dauert es bestimmt nicht mehr lange bis es im Borussia-Park die ersten "Pocho! Pocho! Pocho! Pocho!"-Rufe zu hören gibt.
Diese Lateinamerikaner sollen es also sein. Die zaubernden Spielmacher von heute und morgen, die die Bundesliga hoffentlich so bald wie möglich bereichern.....Bereichern durch ihren Spielwitz, ihre Kreativität und Torgefährlichkeit.
Aber die Gefahr ist vorhanden, dass sich die Neuen - wie einige Lateinamerikaner schon zuvor - nicht in die deutsche Vereinskultur einleben und ihr Talent umsetzen. Grund dafür sind nicht zuletzt Unterschiede in der Mentalität sowie im Spielsystem zur argentinischen oder brasilianischen Liga. Spielwitz im Einkaufswagen. Hoffentlich muss die Ware nicht schon bald wieder wegen Unzufriedenheit zurückgegeben werden.


