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Seiten getaggt mit “Gutdenker” auf Die Gutdenker

1.) Die Frage des Jahres stellten The Killers in ihrem Song Human:
Are we human?
Or are we dancer?
Links: übersetzter Liedtext + Erläuterungen zum kontextuellen Bedeutungshintergrund + ausführliche Erklärung zum Wort "dancer"

Das riecht nach Gedankenverbrechen und Quaksprech...! Bitte mehr davon in 2009, damit sich endlich mal was rührt auf Planet Sol 3 !




2.) Unwort des Jahres:
Klima-Kanzlerin
Wer auch immer Angie Merkel so getauft hat...in die Ecke stellen und eine Runde schämen! Nichts ist absurder als Miss Stromkonzern und Autoindustrie als Klima-Kanzlerin zu bezeichnen.

Christian Schwägerl hat mit seinem Kommentar zur Kapitulation der so genannten Klima-Kanzlerin völlig Recht. Politiker, die tolle Reden über Klimaschutz halten, sich mit Eisbären in der Arktis ablichten lassen und dann in der Tagespolitik genau das Gegenteil tun, gehören tagtäglich an den Pranger gestellt. (lesenswert!)


Und Priol bringt es ähnlich prägnant auf den Punkt:
Seit ein paar Tagen heißt kretek.info nun gutdenker.de. Paul und ich dachten uns, dass die Homepage einen frischeren Namen braucht und insbesondere eine .de Domain. Nun...warum heißen wir jetzt gutdenker.de? Und was genau bedeutet der Begriff "Gutdenker"? Kurz gefasst: Es ist ein Begriff aus dem Roman „1984" von George Orwell. Hier ein Zitat daraus und nachfolgend ein paar Worte zu unserem Blog:

"Wenn jemand ein von Natur strenggläubiger Mensch
ist (in der Neusprache: ein Gutdenker), dann
wird er unter allen Umständen wissen, ohne erst
nachdenken zu müssen, was der richtige Glaube
ist oder wie seine Empfindung geartet sein soll.
Aber auf alle Fälle macht ihn eine sorgfältige
Schulung, die er in der Jugend durchgemacht hat
und die von den Neusprachwörtern Verbrechenstop,
Schwarzweiß und Zwiedenken umrissen ist,
abgeneigt und unfähig, allzu tiefschürfend über
irgendein Thema nachzudenken.
"


Gutdenker.de ist ein Blog, das in Orwell'schem Sinne „ungut" denkt und für eine Auseinandersetzung mit „gutdenkerischen" Tendenzen in unserer Gesellschaft plädiert.

Wir sind für mehr Vernunft und Logik in unserer Welt. Für mehr rationale und uneigennützige Argumentation in Politik und Gesellschaft und dementsprechend vernunfts- und gemeinwohlorientierte Diskurse und Ergebnisse.

Für Weitsicht und Weisheit in Politik und Gesellschaft. Für mehr Wissbegierde, Allgemeinwissen und kritisches Reflexionsvermögen. Und schließlich für Toleranz und Weltoffenheit und für mehr Demut vor der Welt und all dem, was wir überhaupt noch nicht wissen.

Der Blogtitel „Die Gutdenker" soll also ein zynischer Hinweis auf unsere zunehmend oberflächlichen, naiven und rücksichtlosen Gesellschaften sein, die sich vor lauter Globalisierung lieber ihrem beschränkten Mikrokosmos zuwenden und sich außerdem enttäuscht, gelangweilt oder verdrossen von Politik und öffentlich-sozialem Leben abwenden.

Also ein zynischer Hinweis auf diejenigen in unserer Gesellschaft, die sich von medial verbreiteten Vorurteilen, national und regional eingeschränkten und eingefärbten Blickwinkeln und einer sensationalistischen Angstmacherei treiben und im Leben leiten lassen.

Ein zynischer Hinweis auf die „Gutdenker", die eben nicht fähig oder willens sind kritisch und rational zu reflektieren, was sie im Fernseher sehen, im Internet beim Surfen auffinden, in der Zeitung lesen oder von einem Mitmenschen auf der Straße erzählt bekommen.

Und ebenso ein zynischer Hinweis auf Staaten und Regierungen, die diese Ausbreitung des „Gutdenkens" gutheißen und sogar fördern durch mangelhafte Bildungspolitik, denn „Gutdenker" lassen sich leichter mit Schwarzweißmalerei und simplen Argumenten, Botschaften und Urteilen für die eigene Sache gewinnen und für die eigenen Interessen verwenden; bei Wahlen, im Kaufhaus, vor dem Fernseher, im Internet.

Wir sind also gegen Schwarzweißmalerei in Medien, der Politik und der Kultur. Gegen Simplizismus, Vorurteile und Plattitüden in den Köpfen, in den Journalen, in den Parlamenten, den Talkshows und am Küchentisch.

Es ist selbstverständlich, dass die Autoren dieses Blogs selbst nur Teil des Ganzen sind. Auch wir sind manchmal „Gutdenker". Auch wir können uns nicht immer losreißen von Vorurteilen, Plattitüden, von emotionalen Verfärbungen in der Argumentation und Darstellung, von Schwarzweißmalerei, etc. Aber wir versuchen es. Wir versuchen eben „ungut" zu denken. Also den Verstand zu gebrauchen und kritisch zu reflektieren; und auch unpopuläre Positionen einzunehmen und gängige Vorurteile und Überzeugungen in Frage zu stellen.

Industrie_Verschmutzung.jpg
Wie der Guardian und auch andere Medien heute berichteten, deuten die neuesten Auswertungen von Messungen unserer Luft an der weltweit bedeutendsten Messstation Mauna Loa auf eine weltweit beschleunigte Erhöhung des Ausstoßes an Treibhausgasen, insbesondere CO², hin.

CO² ist ein Abfallprodukt, das für das menschliche Auge unsichtbar ist und hauptsächlich bei der Verbrennung von fossilen Kraftstoffen wie Braun- und Steinkohle, Erdöl und Erdölprodukten wie Benzin und Diesel als Abfall täglich in riesigen Mengen an unzähligen Orten auf unserem Planeten in unsere Luft gelangt. Stellen Sie sich vor, CO² müsste man in Müllsäcke packen, um es zu entsorgen. Diese mit CO² gefüllten Müllsäcke würden unseren Himmel so abdunkeln, dass überhaupt keine Sonneneinstrahlung die Erde erreichen würde.

Der Anteil des Gases CO² in der Luft wird gemeinhin mit Teilchen pro Million (Parts per million, ppm) angegeben. Dieser CO²-Anteil in der Atmosphäre unseres Planeten ist nachweislich seit mindestens 650.000 Jahren (!) immer unter 280 ppm geblieben. Seit der Industriellen Revolution ist dieser CO²-Anteil auf über 381 ppm (im Jahr 2006) angestiegen. Wie die Forschungsstation auf Hawaii nun berichtet, stieg der CO²-Anteil in den letzten Jahren immer schneller an. Inzwischen liegt er bei 387 ppm (2008).

Der Anstieg wäre nicht besonders überraschend, wenn man nicht eigentlich das wohlige Gefühl hätte, dass nun endlich alle über den Klimawandel und seine Ursachen informiert sind und wir alle gemeinsam nun Bier trinken für den Klimaschutz und die Industrie durch den  hoch gelobten Emissionshandel nun ihren CO²-Ausstoß senken wird.

Das Thema Klimawandel ist auch fast täglich in allen Medien. In schönen Werbespots wird dem TV-Zuschauer selbst von Konzernen wie E.ON oder enBW, die eigentlich mit der Verbrennung von fossilen Energieträgern Milliarden verdienen, suggeriert, dass man sich in erster Linie nur noch um Klimaschutz kümmere und nun (wieder einmal) auf "saubere" Energie setze (siehe dazu auch: Gezeitenkraftwerk, "man sieht es nicht, man hört es nicht".)

Weit gefehlt. Denn global operierende Konzerne können eben auf einem Kontinent (Europa) ihre weiße Weste in der Werbung zur Schau stellen, Klimaschutzprojekte fördern und in erneuerbare Energien investieren und auf anderen Kontinenten (Amerika, Afrika, Asien) die schmutzigsten aller schmutzigsten Industrieparks und Kraftwerke bauen, spritfressende Autos verkaufen, Flüsse und Seen verschmutzen und keinen Cent in Klimaschutz stecken. Aber die Atmosphäre und das CO² kennen keine nationalen oder kontinentalen Grenzen. Das ist das Problem.

Nun werden die meisten "Gutdenker" unserer Gesellschaft gleich mit dem Finger auf die üblichen Sündenböcke China und Indien zeigen. Richtig. Umwelt- und Klimaschutz ist in China und Indien leider noch nicht ein so großes Thema wie in Europa. Aber wer zwei Hände hat, der sollte auch gleich zwei Finger ausstrecken. Denn der zweite darf gerne auf die USA gezeigt werden. Die Amerikaner sind trotz des Wachstums in China und Indien immernoch der größte Treibhausgasverursacher der Welt. Sowohl pro Einwohner als auch absolut. Und es ist eine Schande, dass die größte und modernste Wirtschaftsmacht der Welt das Thema Klimaschutz immernoch klein schreibt.

Die bequemlichen Gutdenker sollten aber ihre Finger schön am Leib halten, denn gerade in Deutschland werden immernoch neue Kohlekraftwerke gebaut, die extreme Mengen an CO² produzieren, mit denen es aber für die Energiekonzerne in Zukunft bei steigenden Strompreisen noch mehr Geld zu verdienen gibt.

Mit Energiesicherheit hat das garantiert nichts zu tun. Es ist ein typisches Argument namens "Angst", das unter die Leute gestreut wird, nach dem Motto: "Wenn wir keine Kohlekraftwerke bauen, ensteht eine Stromlücke". Simplizistische Argumentation par excellence. Und Lüge dazu! Genügend wissenschaftliche Belege entgegen der Behauptung, dass Kohlekraftwerke nötig seien, um diese "Stromlücke" zu schließen, findet man überall dort, wo die Interessen der Energiekonzerne nicht die Berichterstattung steuert, z.B. bei Greenpeace.

Die weitere Beschleunigung des CO²-Ausstoßes zeigt, dass wir alle auf diesem Planeten immernoch nicht aufgewacht sind. Zwischen egozentrischem Konsum- und Karrierealltag, Tradition und Bequemlichkeit passt rationale Erfassung von globalen Problemen offenbar nicht so richtig herein. Und das ist fatal. Martin Parry bringt es auf den Punkt:

"Despite all the talk, the situation is getting worse. Levels of greenhouse gases continue to rise in the atmosphere and the rate of that rise is accelerating. We are already seeing the impacts of climate change and the scale of those impacts will also accelerate, until we decide to do something about it."
Titelfoto: by Mihai Dragan