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Frage: Leben wir in einem "Sozialismus für Reiche", der sich nur Kapitalismus nennt?
Diskussion
Annahme 1: Chef einer großen Firma "ABC", die ein Konsumgut produziert, trifft jahrelang unternehmerisch falsche Entscheidungen im Bereich der Produktentwicklung, der Investitionen, der Unternehmensstrategie, u.ä., kurz gesagt: ein schlechter Chef. Aber: Er verdient sehr gut. 5 Millionen Euro pro Jahr. Damit hatte er persönlich bereits nach wenigen Monaten in dem Job finanziell ausgesorgt. Jeder Euro, der danach noch kommt, ist ein süßes Geschenk, das den eigenen Luxus-Konsum stetig erhöht.
Annahme 2: Die Firma machte trotz dieser schlechten Unternehmensführung Jahr für Jahr Gewinn, bedingt durch ein gutes Marketing, gute weltwirtschaftliche Bedingungen und viele Stammkunden.
Aktuelle Situation: Nun wechseln die weltwirtschaftlichen Bedingungen, Stammkunden brechen weg, das Marketing kann nicht mehr über die schlechten Produkte genügend hinwegtäuschen. Die verbleibende Zahl der Kunden wählen nun Produkte anderer Firmen, die günstiger und qualitativ besser sind, die andere gute Firmen bieten.
Außerdem beginnen die Kunden sich rational zu verhalten und kaufen nicht mehr - geblendet von guter Werbung und günstigen Krediten - so oft und so viel wie früher. Insgesamt sinkt das Konsumniveau in diesem bestimmten Produktbereich, aber schlechte Firmen mit schlechten Produkten wie "ABC" machen katastrophale Verluste im Gegensatz zu guten Firmen mit guten Produkten, die verkraftbare Verluste machen.
Systemproblem:
Firma "ABC" steht vor dem Bankrott. 100.000 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Die Firma wendet sich an den Staat um Hilfe.
Staat hat ein Interesse an Fortbestehen der Firma wegen den vielen Arbeitsplätzen. Staat fürchtet um zig-tausende neue Arbeitslose im Falle eines Zusammenbruchs der Firma.
Eigentlich ist der Chef von "ABC" und seine schlechte Unternehmensführung schuld an der Situation des Unternehmens. Der Chef gibt aber vor, es seien die weltwirtschaftlichen Bedingungen, usw. Der Staat springt ein und schießt Steuergelder zu, um die Firma zu retten.
Das Problem ist: Welche unternehmerische Verantwortung haben Chefs von solchen Firmen, wenn in der Krise der Staat einspringt? Welches Eigeninteresse hat der Chef überhaupt am wirtschaftlichen Erfolgt der Firma außer der Boni, die er kriegt? Selbst wenn er nun entlassen wird, wird er für sein unternehmerisches Versagen weder zur Rechenschaft gezogen, noch muss er sich finanziell beteiligen.
Fazit:
Durch die Bereitschaft des Staates in Krisensituationen einzuspringen und des Fehlens eines Mechanismus, der die Firmenchefs bei schlechter Unternehmensführung finanziell negativ beteiligt, haben die Firmenchefs dieser großen Unternehmen einen gewaltigen Spielraum. Sie können Unternehmensentscheidungen nach privaten Partikularinteressen ausrichten, ohne zu großen Wert auf den langfristigen Unternehmenserfolg zu legen. Das bedeutet nicht, dass sie nicht am kurz- und mittelfristigen Erfolg des Unternehmens interessiert seien. Hier locken schließlich großzügige Boni, die sie gewinnen wollen. Aber aus einer rein rationalistischen Perspektive haben in einem solchen Wirtschaftssystem Chefs von großen Firmen kein starkes Eigeninteresse am langfristigen Unternehmenserfolg. Es herrscht nämlich gar kein echter Kapitalismus, sondern ein "Sozialismus für Reiche", die unabhängig von der Qualität ihrer Arbeit immer gut situiert sind, selbst wenn sie ihren Job verlieren und selbst wenn ihre Firma vollkommen zusammenbricht und 100.000 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren würden. Persönlich juckt das die Chefs nicht - weder finanziell noch rechtlich ist ihr völliges unternehmerisches Scheitern als Firmenchef ein Verlust. Meines Erachtens ist das ein großes Systemproblem, das Wirtschaftswachstum, Innovationen und einen Zuwachs an Arbeitsplätzen mittel- und langfristig hemmt.
Diskussion
Annahme 1: Chef einer großen Firma "ABC", die ein Konsumgut produziert, trifft jahrelang unternehmerisch falsche Entscheidungen im Bereich der Produktentwicklung, der Investitionen, der Unternehmensstrategie, u.ä., kurz gesagt: ein schlechter Chef. Aber: Er verdient sehr gut. 5 Millionen Euro pro Jahr. Damit hatte er persönlich bereits nach wenigen Monaten in dem Job finanziell ausgesorgt. Jeder Euro, der danach noch kommt, ist ein süßes Geschenk, das den eigenen Luxus-Konsum stetig erhöht.
Annahme 2: Die Firma machte trotz dieser schlechten Unternehmensführung Jahr für Jahr Gewinn, bedingt durch ein gutes Marketing, gute weltwirtschaftliche Bedingungen und viele Stammkunden.
Aktuelle Situation: Nun wechseln die weltwirtschaftlichen Bedingungen, Stammkunden brechen weg, das Marketing kann nicht mehr über die schlechten Produkte genügend hinwegtäuschen. Die verbleibende Zahl der Kunden wählen nun Produkte anderer Firmen, die günstiger und qualitativ besser sind, die andere gute Firmen bieten.
Außerdem beginnen die Kunden sich rational zu verhalten und kaufen nicht mehr - geblendet von guter Werbung und günstigen Krediten - so oft und so viel wie früher. Insgesamt sinkt das Konsumniveau in diesem bestimmten Produktbereich, aber schlechte Firmen mit schlechten Produkten wie "ABC" machen katastrophale Verluste im Gegensatz zu guten Firmen mit guten Produkten, die verkraftbare Verluste machen.
Systemproblem:
Firma "ABC" steht vor dem Bankrott. 100.000 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Die Firma wendet sich an den Staat um Hilfe.
Staat hat ein Interesse an Fortbestehen der Firma wegen den vielen Arbeitsplätzen. Staat fürchtet um zig-tausende neue Arbeitslose im Falle eines Zusammenbruchs der Firma.
Eigentlich ist der Chef von "ABC" und seine schlechte Unternehmensführung schuld an der Situation des Unternehmens. Der Chef gibt aber vor, es seien die weltwirtschaftlichen Bedingungen, usw. Der Staat springt ein und schießt Steuergelder zu, um die Firma zu retten.
Das Problem ist: Welche unternehmerische Verantwortung haben Chefs von solchen Firmen, wenn in der Krise der Staat einspringt? Welches Eigeninteresse hat der Chef überhaupt am wirtschaftlichen Erfolgt der Firma außer der Boni, die er kriegt? Selbst wenn er nun entlassen wird, wird er für sein unternehmerisches Versagen weder zur Rechenschaft gezogen, noch muss er sich finanziell beteiligen.
Fazit:
Durch die Bereitschaft des Staates in Krisensituationen einzuspringen und des Fehlens eines Mechanismus, der die Firmenchefs bei schlechter Unternehmensführung finanziell negativ beteiligt, haben die Firmenchefs dieser großen Unternehmen einen gewaltigen Spielraum. Sie können Unternehmensentscheidungen nach privaten Partikularinteressen ausrichten, ohne zu großen Wert auf den langfristigen Unternehmenserfolg zu legen. Das bedeutet nicht, dass sie nicht am kurz- und mittelfristigen Erfolg des Unternehmens interessiert seien. Hier locken schließlich großzügige Boni, die sie gewinnen wollen. Aber aus einer rein rationalistischen Perspektive haben in einem solchen Wirtschaftssystem Chefs von großen Firmen kein starkes Eigeninteresse am langfristigen Unternehmenserfolg. Es herrscht nämlich gar kein echter Kapitalismus, sondern ein "Sozialismus für Reiche", die unabhängig von der Qualität ihrer Arbeit immer gut situiert sind, selbst wenn sie ihren Job verlieren und selbst wenn ihre Firma vollkommen zusammenbricht und 100.000 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren würden. Persönlich juckt das die Chefs nicht - weder finanziell noch rechtlich ist ihr völliges unternehmerisches Scheitern als Firmenchef ein Verlust. Meines Erachtens ist das ein großes Systemproblem, das Wirtschaftswachstum, Innovationen und einen Zuwachs an Arbeitsplätzen mittel- und langfristig hemmt.
Dass Erdöl eine endliche Ressource ist und die Lagerstätten tief unter der Erde irgendwann erschöpft sein werden, dürfte inzwischen selbst jedem Laien klar sein. Erdöl ist genauso wie Kohle und Erdgas ein Rohstoff, der über einen Zeitraum von Millionen von Jahren entstanden ist, der also nicht über Nacht mal eben nachwachsen kann.
Wer hat Angst vor'm bösen Wolf?
Eine interessante Website über das Ölfördermaximum bzw. Peak Oil ist "The Wolf at the door". Dort kann man sich über das Einmaleins des Erdöls informieren. Das Wichtigste: Das Ölfördermaximum bedeutet nicht, dass das Öl bald ausgeht, wie Hype-geile Medien und Journalisten gerne behaupten (Bsp.:"When the last oil well runs dry!"), sondern es bedeutet lediglich, dass man keine weiteren Steigerungen der Ölförderung pro Tag erwarten kann. Erdöl wird es immer geben auf der Erde, nur eben nicht in einer steigenden Menge, die uns verfügbar ist, sondern in einer abnehmenden Menge. Bis das "letzte Tröpfchen" Öl gefördert wird, dürften noch sehr viele Jahrzehnte vergehen.
Andere Peak Oil-Websites gibt es zuhauf, von denen aber nur wenige wirklich empfehlenswert sind. Manche vermeintlich objektive Seiten wie peakoil.net oder energiekrise.de sind in Wahrheit verlängerte Arme der Ölindustrie (ASPO), die selbstverständlich ihre Interessen bei der Verbreitung von Information mit einbringt. Die meisten anderen Seiten wollen durch Werbung Geld verdienen oder sind rein auf Panikmache ausgerichtet. Selbstverständlich sprießen die Blogs und Websites, die sich dem Thema "Endzeit" und dem "Überleben danach" widmen wie die Pilze aus dem Boden (hier nur bspw.: Endtimesreport samt Survival-Shop; Survivalblog; Oildecline) Der menschliche Hang zur Überreaktion, Angst und Panik und die Profitgier, die sich diesen menschlichen Hang zu Nutze macht, spiegelt sich in den genannten und ähnlichen Internetseiten wider.
Erklärungshoheit über das Ölfördermaximum
Dass es Peak Oil, alleine schon rein wissenschaftlich gesehen, geben muss, ist klar. Die Details und die vielen Ableitungen daraus aber, die von einigen mächtigen Gruppen und Organisationen wie der ASPO, der IEA oder der OPEC öffentlich verbreitet werden, bedürfen einiger kritischer Nachfragen.
Zum Beispiel: Wie kann man mit Sicherheit vom globalen Ölfördermaximum sprechen, wenn die Mehrheit der ölfördernden Staaten eine Überprüfung ihrer Ölvorkommen durch unabhängige Wissenschaftler (selbstverständlich) nicht zulassen?
Oder: Wenn man noch vor 10 oder 15 Jahren von einem Szenario mit einem Ölpreis, der über 135$ liegt, gesprochen hat, wurde gleich von dem völligen Kollaps der globalen Wirtschaft gesprochen. Damals lag der Ölpreis zwischen 15$ und 30$ pro Barrel. Der Ölpreis von heute liegt sogar noch viel höher als der inflationsbereinigte Preis aus der Zeit der Ölkrise in den 1970er Jahren. Warum redet jeder von der Krise und warum sieht man sie nirgends wirklich? War der Ölpreis in den 80ern und 90ern einfach verhältnismäßig zu niedrig? War die Panikmache bezüglich eines hohen Ölpreises aus der Wirtschaft einfach eine ökonomisch rationale Strategie, um die eigene Gewinnspanne zu maximieren?
Es scheint so zu sein. Denn die Volkswirtschaften dieser Welt können offenbar mit einem Ölpreis von 130$ und mehr sehr gut leben. Die Gewinne der international tätigen Konzerne aber auch mittelständischen Unternehmen aus Maschinenbau und anderen Branchen steigen von Monat zu Monat an, trotz ihrer Krokodilstränen und ihrer zur Schau gestellten Empörung über den Ölpreis. Die Leidtragenden sind allenfalls die untersten Schichten der Bevölkerungen, die mit einem allgemeinen Preisanstieg von Benzin über Heizöl bis zu den Lebensmitteln auskommen müssen.
Wer profitiert von dem "Peak Oil"-Hype?
Zum Einen sind es die Ölförderer, die quasi für jedes Barrel Öl, also für das gleiche Produkt, das sie vor 15 Jahren auch verkauft haben, in etwa das Zehnfache erhalten. Das ist so, als wenn man ein Hektar Wiese hätte und Gras verkaufen würde. Für jedes Gramm Gras erhielte man also von Tag zu Tag mehr. Ein herrliches Geschäft.
Es ist also im Interesse aller Länder, die über Ölvorkommen verfügen, dass der Ölpreis steigt - und das eher vor dem tatsächlichen Peak Oil als danach. Denn je länger man Öl mit einem hohen Gewinn verkaufen kann desto besser. Wenn also das Ölfördermaximum erst in 20 oder 30 Jahren tatsächlich erreicht wird, ist es doch geschickter, den Käufern meines Öls begreiflich zu machen, dass es bereits in 10 bis 15 Jahren erreicht wird, so dass der Preis früher kräftig steigt und ich für jedes Fass Öl viel mehr erhalte als bisher. Insofern ist die Erklärungshoheit über den Zeitpunkt des "Peak Oil" die größte wirtschaftliche Macht auf der Welt. Denn jeder Ölförderer, der ganz laut "PEAK OIL!" schreit, der flüstert grinsend hinter vorgehaltener Hand "...Cash in...".
Zum Zweiten profitieren von dem Hype natürlich diejenigen, die mit Öl
und den zahlreichen Investmentmöglichkeiten Geld verdienen, also
diejenigen, die an den Börsen spekulieren, Hedge Fonds, Banken,
Großanleger, Finanzdienstleister, etc. . Auch diese Milliardäre und diejenigen, die es werden wollen, jubeln "CASH IN!".
Zum Dritten rentieren sich mit einem hohen Ölpreis Erschließungen von Ölvorkommen, die zuvor als unwirtschaftlich galten und es nicht zur Förderung kam. Gerade die USA haben deshalb ein hohes Interesse an einem hohen Ölpreis. In Alaska, aber auch Off-Shore gibt es sehr viel Erdöl, dessen Förderung durch die hohen Investitionskosten sehr teuer ist und sich erst jetzt rentiert. Dabei geht es natürlich in erster Linie um eine geringere Abhängigkeit von Öllieferungen aus dem Mittleren Osten und nicht um die Hinausschiebung des Ölfördermaximums. Deshalb schreit auch die US-Regierung "PEAK OIL!".
Ein Zeitungsbericht des Wall Street Journal von heute morgen ist genau so ein "PEAK OIL!"-Schrei, der das leise "...Cash in..." überdeckt. Viele "Experten" philosophieren nun über unsere Ölvorkommen und die Folgen von Peak Oil. Kommt jetzt bald der große Crash? Müssen wir uns jetzt alle mit Survival-Ausrüstung eindecken und bewaffnen? Müssen wir jetzt also alle (wieder einmal) Angst haben?
Natürlich nicht. Man muss nicht lange überlegen, um herauszufinden, warum es keinen "Crash" nach dem vermeintlichen Peak Oil geben wird. Es sind einfach zu viele Menschen, die in dieser globalen Wirtschaft Geld verdienen und noch mehr Geld verdienen wollen. Selbst den vielen Scheichs, die klischeehaft "in der Wüste sitzen und Falken züchten", ist die Weltwirtschaft nicht egal. Denn bei einem Crash sind alle betroffen: die Öl-Förderer, die Yacht-Verleiher und Champagner-Produzenten, die Porsche- und Ferraribauer, die Blutdiamantenausbeuter, und und und... Ein Zusammenbruch oder eine schwere Beeinträchtigung dieser kapitalistischen Kette widerspricht allen Interessen der vielen Reichen dieser Welt. Sie werden es zu verhindern wissen. Genauso wie die "Sofort-Rettungs-Programme", die wir in der (noch nicht ganz ausgestandenen) Subprime-Krise erlebt haben, wird es auch im Falle eines noch steiler ansteigenden Ölpreises, Mittel geben, die unsere Volkswirtschaften finden werden.
Was uns alle aber aufregen sollte, ist, dass es am Ende wieder die Steuerzahler treffen wird, die das Ganze ausbaden und zugleich mit steigenden Lebenshaltungskosten auskommen müssen. Der Profitgier der Multi-Millionäre und -Milliardäre sei Dank. Hoch lebe der Kapitalismus...!
Bildquelle "Öl-Fass": Memekode
Bildquelle "New York Stock Exchange: Me
UPDATE: Interessantes ZEIT-Interview zum gleichen Thema
UPDATE 2: Wer vom hohen Ölpreis profitiert (FTD)
Wer hat Angst vor'm bösen Wolf?
Eine interessante Website über das Ölfördermaximum bzw. Peak Oil ist "The Wolf at the door". Dort kann man sich über das Einmaleins des Erdöls informieren. Das Wichtigste: Das Ölfördermaximum bedeutet nicht, dass das Öl bald ausgeht, wie Hype-geile Medien und Journalisten gerne behaupten (Bsp.:"When the last oil well runs dry!"), sondern es bedeutet lediglich, dass man keine weiteren Steigerungen der Ölförderung pro Tag erwarten kann. Erdöl wird es immer geben auf der Erde, nur eben nicht in einer steigenden Menge, die uns verfügbar ist, sondern in einer abnehmenden Menge. Bis das "letzte Tröpfchen" Öl gefördert wird, dürften noch sehr viele Jahrzehnte vergehen.
Andere Peak Oil-Websites gibt es zuhauf, von denen aber nur wenige wirklich empfehlenswert sind. Manche vermeintlich objektive Seiten wie peakoil.net oder energiekrise.de sind in Wahrheit verlängerte Arme der Ölindustrie (ASPO), die selbstverständlich ihre Interessen bei der Verbreitung von Information mit einbringt. Die meisten anderen Seiten wollen durch Werbung Geld verdienen oder sind rein auf Panikmache ausgerichtet. Selbstverständlich sprießen die Blogs und Websites, die sich dem Thema "Endzeit" und dem "Überleben danach" widmen wie die Pilze aus dem Boden (hier nur bspw.: Endtimesreport samt Survival-Shop; Survivalblog; Oildecline) Der menschliche Hang zur Überreaktion, Angst und Panik und die Profitgier, die sich diesen menschlichen Hang zu Nutze macht, spiegelt sich in den genannten und ähnlichen Internetseiten wider.
Erklärungshoheit über das Ölfördermaximum
Dass es Peak Oil, alleine schon rein wissenschaftlich gesehen, geben muss, ist klar. Die Details und die vielen Ableitungen daraus aber, die von einigen mächtigen Gruppen und Organisationen wie der ASPO, der IEA oder der OPEC öffentlich verbreitet werden, bedürfen einiger kritischer Nachfragen.
Zum Beispiel: Wie kann man mit Sicherheit vom globalen Ölfördermaximum sprechen, wenn die Mehrheit der ölfördernden Staaten eine Überprüfung ihrer Ölvorkommen durch unabhängige Wissenschaftler (selbstverständlich) nicht zulassen?
Oder: Wenn man noch vor 10 oder 15 Jahren von einem Szenario mit einem Ölpreis, der über 135$ liegt, gesprochen hat, wurde gleich von dem völligen Kollaps der globalen Wirtschaft gesprochen. Damals lag der Ölpreis zwischen 15$ und 30$ pro Barrel. Der Ölpreis von heute liegt sogar noch viel höher als der inflationsbereinigte Preis aus der Zeit der Ölkrise in den 1970er Jahren. Warum redet jeder von der Krise und warum sieht man sie nirgends wirklich? War der Ölpreis in den 80ern und 90ern einfach verhältnismäßig zu niedrig? War die Panikmache bezüglich eines hohen Ölpreises aus der Wirtschaft einfach eine ökonomisch rationale Strategie, um die eigene Gewinnspanne zu maximieren?
Es scheint so zu sein. Denn die Volkswirtschaften dieser Welt können offenbar mit einem Ölpreis von 130$ und mehr sehr gut leben. Die Gewinne der international tätigen Konzerne aber auch mittelständischen Unternehmen aus Maschinenbau und anderen Branchen steigen von Monat zu Monat an, trotz ihrer Krokodilstränen und ihrer zur Schau gestellten Empörung über den Ölpreis. Die Leidtragenden sind allenfalls die untersten Schichten der Bevölkerungen, die mit einem allgemeinen Preisanstieg von Benzin über Heizöl bis zu den Lebensmitteln auskommen müssen.
Wer profitiert von dem "Peak Oil"-Hype?
Zum Einen sind es die Ölförderer, die quasi für jedes Barrel Öl, also für das gleiche Produkt, das sie vor 15 Jahren auch verkauft haben, in etwa das Zehnfache erhalten. Das ist so, als wenn man ein Hektar Wiese hätte und Gras verkaufen würde. Für jedes Gramm Gras erhielte man also von Tag zu Tag mehr. Ein herrliches Geschäft.
Es ist also im Interesse aller Länder, die über Ölvorkommen verfügen, dass der Ölpreis steigt - und das eher vor dem tatsächlichen Peak Oil als danach. Denn je länger man Öl mit einem hohen Gewinn verkaufen kann desto besser. Wenn also das Ölfördermaximum erst in 20 oder 30 Jahren tatsächlich erreicht wird, ist es doch geschickter, den Käufern meines Öls begreiflich zu machen, dass es bereits in 10 bis 15 Jahren erreicht wird, so dass der Preis früher kräftig steigt und ich für jedes Fass Öl viel mehr erhalte als bisher. Insofern ist die Erklärungshoheit über den Zeitpunkt des "Peak Oil" die größte wirtschaftliche Macht auf der Welt. Denn jeder Ölförderer, der ganz laut "PEAK OIL!" schreit, der flüstert grinsend hinter vorgehaltener Hand "...Cash in...".
Zum Dritten rentieren sich mit einem hohen Ölpreis Erschließungen von Ölvorkommen, die zuvor als unwirtschaftlich galten und es nicht zur Förderung kam. Gerade die USA haben deshalb ein hohes Interesse an einem hohen Ölpreis. In Alaska, aber auch Off-Shore gibt es sehr viel Erdöl, dessen Förderung durch die hohen Investitionskosten sehr teuer ist und sich erst jetzt rentiert. Dabei geht es natürlich in erster Linie um eine geringere Abhängigkeit von Öllieferungen aus dem Mittleren Osten und nicht um die Hinausschiebung des Ölfördermaximums. Deshalb schreit auch die US-Regierung "PEAK OIL!".
Ein Zeitungsbericht des Wall Street Journal von heute morgen ist genau so ein "PEAK OIL!"-Schrei, der das leise "...Cash in..." überdeckt. Viele "Experten" philosophieren nun über unsere Ölvorkommen und die Folgen von Peak Oil. Kommt jetzt bald der große Crash? Müssen wir uns jetzt alle mit Survival-Ausrüstung eindecken und bewaffnen? Müssen wir jetzt also alle (wieder einmal) Angst haben?
Natürlich nicht. Man muss nicht lange überlegen, um herauszufinden, warum es keinen "Crash" nach dem vermeintlichen Peak Oil geben wird. Es sind einfach zu viele Menschen, die in dieser globalen Wirtschaft Geld verdienen und noch mehr Geld verdienen wollen. Selbst den vielen Scheichs, die klischeehaft "in der Wüste sitzen und Falken züchten", ist die Weltwirtschaft nicht egal. Denn bei einem Crash sind alle betroffen: die Öl-Förderer, die Yacht-Verleiher und Champagner-Produzenten, die Porsche- und Ferraribauer, die Blutdiamantenausbeuter, und und und... Ein Zusammenbruch oder eine schwere Beeinträchtigung dieser kapitalistischen Kette widerspricht allen Interessen der vielen Reichen dieser Welt. Sie werden es zu verhindern wissen. Genauso wie die "Sofort-Rettungs-Programme", die wir in der (noch nicht ganz ausgestandenen) Subprime-Krise erlebt haben, wird es auch im Falle eines noch steiler ansteigenden Ölpreises, Mittel geben, die unsere Volkswirtschaften finden werden.
Was uns alle aber aufregen sollte, ist, dass es am Ende wieder die Steuerzahler treffen wird, die das Ganze ausbaden und zugleich mit steigenden Lebenshaltungskosten auskommen müssen. Der Profitgier der Multi-Millionäre und -Milliardäre sei Dank. Hoch lebe der Kapitalismus...!
Bildquelle "Öl-Fass": Memekode
Bildquelle "New York Stock Exchange: Me
UPDATE: Interessantes ZEIT-Interview zum gleichen Thema
UPDATE 2: Wer vom hohen Ölpreis profitiert (FTD)


